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Endokrine Chirurgie

Endokrine Chirurgie

Die endokrine Chirurgie beschäftigt sich mit den Erkrankungen der hormonbildenden Organe wie Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere und bestimmten Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, die einer operativen Therapie bedürfen. 

Zahlenmäßig am häufigsten kommen Operationen an der Schilddrüse (Glandula thyroidea) vor.

Die Ursachen für eine Vergrößerung der Schilddrüse ist meist ein lang andauernder Jodmangel, der in der einzelnen Schilddrüsenzelle zu einer Stresssituation führt, die sie veranlasst, bestimmte Wachstumsfaktoren vermehrt zu bilden. Dadurch kommt es zu einer Vermehrung der Schilddrüsenzellen. Bei einem anhaltenden Jodmangel über viele Jahre kann es durch diesen fortwährenden Stress zu einer Autonomie der Vermehrung und des Wachstums der Schilddrüsenzellen kommen, die dann Knoten bilden. Daher treten Knoten auch selten einzeln auf!

Durch die seit gut 20 Jahren erfolgte Jodierung von Speisesalz und Lebensmitteln ist es schon zu einem Rückgang dieser Veränderungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gekommen. 

Daneben können Schilddrüsenerkrankungen auch verursacht werden durch Autoimmunprozesse. Beim Morbus Basedow bilden sich z. B. Autoantikörper gegen die Bindungsstelle des TSH an der Schilddrüsenzelle. Die Antikörper lagern sich hieran und der Zelle wird damit vorgetäuscht, dass sie durch TSH stimuliert wird und sie produziert in der Folge zu viele Schilddrüsenhormone (Überfunktion). Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis werden ebenfalls Autoantikörper gegen Schilddrüsengewebe gebildet, nur dass diese Antikörper zu einem Funktionsausfall der Schilddrüsenzellen und damit zu einer Unterfunktion führen. Bei beiden Erkrankungen können diese Autoantikörper im Blut nachgewiesen werden. 

Symptome (allgemein)

Beschwerden aufgrund einer Schilddrüsenerkrankung können vielgestaltig sein. So kann eine Vergrößerung der Schilddrüse ein Fremdkörpergefühl auslösen oder die benachbarten Strukturen verdrängen und damit negativ beeinflusst werden, z. B. die Luftröhre (erschwertes Atmen bis hin zur Luftnot), die Speiseröhre (Schluckstörungen) und die Blutgefäße (gestaute Venen).  

Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) der Schilddrüse werden - vereinfacht dargestellt - sämtliche Körperzellen zu vermehrter Arbeit angeregt. Dies äußert sich am Herzen mit schnellem Herzschlag (Tachykardie), am Nervensystem durch Unruhe und Nervosität, am Verdauungssystem durch einen vermehrten Stuhlgang. Insgesamt führt die erhöhte Stoffwechselaktivität des Körpers häufig zu einem Gewichtsverlust und einer Wärmeintoleranz.

Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse stellen sich Symptome häufig erst nach längerer Krankheitsdauer ein und sind am Anfang unspezifisch. Es wird über eine vermehrte Schwäche, Müdigkeit und Antriebslosigkeit geklagt. Der Herzschlag verlangsamt sich und die Herzleistung insgesamt kann stark sinken. Gewichtszunahme und Neigung zur Verstopfung sind weitere Symptome. Auch kommt es häufig zu einem vermehrten Haarausfall.

Diagnostik

Die Diagnostik von Schilddrüsenerkrankung erfordert eine Zusammenarbeit von verschiedenen ärztlichen Disziplinen (Hausärzte, Endokrinologen, Nuklearmediziner, Chirurgen).

Neben der Erhebung von Krankheitssymptomen und dem Abtasten der Schilddrüse ist die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und die Bestimmung der Schilddrüsenhormone Standard. Zusätzlich ermöglicht der Ultraschall, Strukturveränderungen und eine Vergrößerung der Schilddrüse zu erkennen.

Bei Knoten in der Schilddrüse wird oftmals eine Schilddrüsenszintigraphie durchgeführt, bei der eine schwach radioaktive Substanz (Jodisotope, Technetium) über eine Vene gegeben wird. Mit Hilfe einer Gamma-Kamera kann dann indirekt die Aktivität der diagnostizierten Knoten beurteilt werden. Hierbei unterscheidet man dann stoffwechselaktive Knoten (warm oder heiß) und stoffwechselinaktive Knoten (kalt).

Weitergehende Untersuchungen sind Spezialfällen vorbehalten (Punktionszytologie, MRT, Röntgen-Computertomographie, PET).

Operationsnotwendigkeit und Operationstechnik

Operationen an der Schilddrüse sind notwendig oder empfehlenswert

  • unbedingt bei bösartigen Tumoren der Schilddrüse
  • bei einem knotigen Umbau oder Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf) mit szintigraphisch nachgewiesenen, sogenannten kalten Knoten – vor allem, wenn sie an Größe zunehmen, die Organumgebung mechanisch beeinträchtigen und Beschwerden verursachen
  • bei bestimmten Überfunktionen der Schilddrüse, die nicht mehr mit Medikamenten oder Radiojod behandelt werden können.

Die Schilddrüsenoperationen erfolgen mit Hilfe einer Lupenbrille, wodurch wir feinste Strukturen im Operationsgebiet darstellen und schonend operieren können. Wir stellen jedes Mal die Stimmbandnerven dar und überprüfen diese mit einem Nervenkontrollgerät (Neuromonitoring), um eine Verletzung der Stimmbandnerven zu vermeiden. Auch die Nebenschilddrüsen werden beachtet und streng geschont. Zum Schluss der Operation legen wir Drainagen in das Wundgebiet ein. Die Haut wird mit einer feinen, selbstauflösenden Naht verschlossen.

Minimalinvasive, videoassistierte Schilddrüsenresektionen sind grundsätzlich möglich.

Grundsätzlich senden wir alles entnommene Gewebe zur weiteren Aufarbeitung an das Pathologische Institut ein. Von dem abschließenden, feingeweblichen Ergebnis hängt dann die Nachbehandlung ab.

Nachbehandlung

Patienten können schon kurz nach der Operation trinken und ein paar Stunden später essen. Am ersten postoperativen Tag werden eine Blutkontrolle und eine HNO-ärztliche Stimmbandkontrolle durchgeführt sowie die Drainagen (spätestens am zweiten Tag nach der Operation) entfernt. Am dritten Tag erfolgt die Entlassung mit Entlassungsbericht für den Hausarzt und die weiteren behandelnden Ärzte. Mit dem endgültigen Untersuchungsergebnis unserer Pathologen erfolgt der notwendige Schilddrüsenhormonersatz. Ca. sechs Wochen nach der Operation wird durch den Hausarzt mit einer Blutuntersuchung die endgültige Hormondosis bestimmt. Auch sind je nach Operation weitere Ultraschallkontrollen und szintigraphische Untersuchungen notwendig.

Haben Sie noch Fragen?

Sollten Sie weitere Fragen haben, so stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Wann und wie Sie uns erreichen finden Sie unter Sprechstunde/Kontakt.

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