Organisation
0221 / 479 - 22 12
Entzündliche Darmerkrankungen

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Bei den chronisch- entzündlichen Darmerkrankungen handelt es sich um Erkrankungen mit einer gewissen genetischen, also erblichen Disposition, deren Entstehungsmechanismen noch immer nicht ganz geklärt sind. Man unterscheidet die Colitis ulcerosa und den Morbus Crohn (M. Crohn).

Während es sich bei der Colitis ulcerosa um eine reine Dickdarmerkrankung handelt, kann sich der Morbus Crohn in allen Abschnitten des Verdauungstraktes zeigen. In einigen Fällen kann eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Dickdarms auftreten, die sowohl Merkmale des M. Crohn, als auch solche der Colitis ulcerosa aufweist. Man spricht von einer Colitis indeterminata. 

Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa ist eine reine Dickdarmerkrankung. Das mittlere Alter bei Erstdiagnose beträgt 35 - 40 Jahre, aber nicht selten sind auch Jungendliche und gelegentlich sogar Kinder betroffen. Die Colitis ulcerosa betrifft im Gegensatz zum Morbus Crohn nur die oberflächliche Darmschicht, kann diese aber erheblich schädigen und zu massiven Durchfällen und Blutungen führen. Häufig finden sich Begleiterkrankungen an anderen Organsystemen, die als extraintestinale (also außerhalb des Darms stattfindende) Manifestationen bezeichnet werden. Im Einzelnen sind dies Gelenkentzündungen (Arthritiden), Hauterkrankungen, Augenerkrankungen, und Erkrankungen der Gallenwege. Außerdem kann es zu einem gehäuften Auftreten von Thrombosen und Embolien, zu Osteoporose (Knochenschwund) und zum Auftreten von Gallensteinen kommen. Im Langzeitverlauf führt die Colitis ulcerosa nicht selten zu Darmkrebs, nach einem Krankheitsverlauf von 30 Jahren bei ungefähr jedem fünften Betroffenen. Da die Krebsentstehung sich aber durch bestimmte Schleimhautveränderungen vorankündigt und diese durch eine Darmspiegelung und eine feingewebliche Untersuchung von hierbei entnommenen Proben erkannt werden können, ist eine Entfernung des Dickdarms nur in besonderen Situation angezeigt und die Behandlung prinzipiell zunächst immer medikamentös. 

Gründe für eine Operation bei der Colitis ulcerosa können sein:

  1. Der Nachweis von Darmkrebs oder von entsprechenden Vorstufen
  2. Eine unzureichende Wirksamkeit der medikamentösen Therapie
  3. Erhebliche Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie 

Nur in wenigen Ausnahmefällen ist eine Teilentfernung des Dickdarms sinnvoll. In der Regel sollte eine Totalentfernung vorgenommen werden, wobei wir in aller Regel eine Totalentfernung des Dickdarms unter Erhalt des analen Schließmuskels vornehmen. Aus Dünndarm wird ein Ersatzenddarm gebildet, der direkt an den Schließmuskel angeschlossen wird. Dieser Ersatzenddarm wird als „Pouch“ (= Tasche) bezeichnet. Es stellt ein Reservoir dar und sorgt dafür, dass die Stuhlfrequenz nach der Operation zwar immer noch deutlich höher als mit gesundem Dickdarm, mit ca. 6 Stuhlgängen pro Tag aber in einer akzeptablen Größenordnung ist. Wir führen diesen Eingriff fast immer in minimal-invasiver Technik also in „Knopflochtechnik“ durch.

Die Methode der schließmuskelerhaltenden Totalentfernung des Dickdarms 
(= restaurative Proktokolektomie) ist seit fast 40 Jahren bekannt, und es existieren mittlerweile Langzeituntersuchungsergebnisse, die einen weitgehenden Erhalt der Funktion über einen Zeitraum von 30 Jahren und länger nachweisen. 

Probleme nach Pouchoperationen

Eine erhöhte Stuhlfrequenz ist wegen der auf den Dickdarmverlust zurückzuführenden reduzierten Stuhleindickung und der damit verbundenen Erhöhung der Stuhlmenge bis zu einem gewissen Grad physiologisch. Auch eine leichte Störung vor allem der nächtlichen Kontinenz wird von einigen Betroffenen beklagt. Therapeutisch kommt hier eine Vielzahl vor allen Dingen medikamentöser Behandlungsoptionen in Betracht. Vor allem bei neu auftretender Inkontinenz oder einer Erhöhung der Stuhlfrequenz im Verlauf muss vor allem eine Entzündung des Ersatzenddarms (Pouchitis) ausgeschlossen werden. Liegt eine Pouchitis vor, so ist diese in der Regel durch Antibiotika kurzfristig zur Ausheilung zu bringen. Nur selten geht die Entzündung in einen chronischen Verlauf über, der dann einer besonderen medikamentösen Therapie bedarf. 

Morbus Crohn

Auch der Morbus Crohn manifestiert sich häufig im jungen Erwachsenenalter, wenngleich auch ein erstmaliges Auftreten erst im Rentenalter möglich ist. Auch hier sind die Mechanismen, die die Erkrankung verursachen, nicht endgültig geklärt.

Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa sind beim Morbus Crohn alle Darmwandabschnitte betroffen, und die Erkrankung kann alle Darmabschnitte betreffen. Eine operative Heilung ist daher nicht möglich, und wir beschränken uns operativ auf eine Behebung von solchen Problemen, die durch Medikamente nicht mehr in den Griff zu bekommen sind. Im Einzelnen sind dies:

Narbige Engstellen im Darm, die zu einer Behinderung der Darmpassage führen

  • Kurzschlussverbindungen (Fisteln) aus dem Darm zu anderen Organen (z.B. Blase und Harnleiter) oder in den Bauchraum
  • Abszesse im Bauchraum
  • Fisteln und Abszesse im Schließmuskelbereich (siehe Analfisteln)
  • In seltenen Fällen kann der Morbus Crohn zu einer massiven Zerstörung von Enddarm und Schließmuskel führen, so dass die Anlage eines künstlichen Darmausganges notwendig ist. 

Auch Bauchoperationen bei Morbus Crohn führen wir zur weit überwiegenden Zahl in laparoskopischer Technik („Knopflochchirurgie“) durch.  

Divertikulitis

Als Divertikel bezeichnet man Aussackungen der Dickdarmschleimhaut durch die Darmwand nach außen. Sie entstehen vor allem im Zusammenhang mit einer langfristigen ballaststoffarmen Ernährung im linksseitigen Darm und hier vor allen Dingen im Krummdarm (Kolon sigmoideum, Sigma). Weit mehr als die Hälfte der über 60-jährigen Bevölkerung hat Divertikel. Divertikel alleine stellen keine OP-Indikation dar. Divertikel des Dickdarms können aber Komplikationen machen. Am häufigsten ist die Entzündung der Divertikel. Wir sprechen von Divertikulitis und bei Lokalisation der Divertikel im Sigma von Sigmadivertikulitis. Der Entzündung liegt eine Mikroperforation, also ein kleines Loch im Divertikel zugrunde. Durch die Umgebungsentzündung kann es zu einer Einengung des Darms und damit zu einer Passagestörung, im Extremfall sogar zu einem Darmverschluss kommen. Auch können sich Abszesse ausbilden oder es kommt zu einer echten Darmperforation mit Austritt von Stuhl in die Bauchhöhle. Eine etwas seltenere Komplikation ist die Blutung aus Divertikeln. 

Die einfache Sigmadivertikulitis wird zunächst durch Antibiotika behandelt. Bei schwererem Verlauf sollte vorübergehend der Darm entlastet werden. Dies geschieht durch Verzicht auf normales Essen und eine vorübergehende Ernährung über die Vene. Ist die Divertikelentzündung überwunden, erfolgt der Kostaufbau und eine schrittweise Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung. In mehr als der Hälfte der Fälle kommt es nie wieder zu einem Schub.

Kommt es jedoch zu einer komplizierten Divertikulitis mit Ausbildung eines Abszesses oder einer Darmperforation so ist eine Operation zur Entfernung des betroffenen Darmabschnittes notwendig. Dies gilt auch, wenn sich eine Enge des Krummdarms gebildet hat (sogenannte Stenose).

Wenn immer möglich versuchen wir, einen Notfalleingriff zu vermeiden, da in diesen Fällen das Komplikationsrisiko deutlich höher ist und gelegentlich auch auf die Anlage eines vorübergehenden Darmausganges nicht verzichtet werden kann.

Bei Auftreten von Abszessen kann als Akutbehandlung oft eine Drainage des Abszesses vorgenommen werden. Die definitive Operation erfolgt dann im Intervall möglichst nach vollständigem Abklingen der Entzündung.

Der weit überwiegende Teil der Dickdarmentfernungen bei Divertikulitis kann minimal-invasiv, also in Knopflochtechnik vorgenommen werden. Der zu entfernende Darm wird über den Nabel entfernt, und es wird eine neue End-zu-End Verbindung hergestellt. Durch den Verzicht auf einen großen Schnitt ist der Eingriff wenig belastend. Ein Klinikaufenthalt von 5 - 7 Tagen ist meist ausreichend. In einigen Fällen kann die gesamte Operation nur über den Nabel erfolgen. Wir bezeichnen diese Operationstechnik als SILS (Single Incision Laparoscopic Surgery; also Operation über einen einzigen Zugang). In der Standardtechnik werden neben dem Schnitt im Nabel noch drei weiter Minizugänge von 5 - 10 mm Länge benötigt.

Zur Krankenhaus-Startseite zur Startseite Seitenanfang Druckansicht