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Sternenkinder

Sternenkinder

Die Sternenkinder des Evangelischen Klinikum Köln Weyertal werden auf dem Kölner Nordfriedhof bestattet (Eingang Pallenbergstrasse, Grabfeld Nr. 54).

Um Eltern auch noch nach Jahren die Gelegenheit zu geben, diesen Ort zum Besuchen und Erinnern wiederzufinden, haben wir die fünf Grabsteine für die Sternenkinder unseres Hauses mit einem Symbol versehen. Diese sind gemeinsam mit dem Ehepaar Dagmar und Gregor Davertzhofen (Steinmetz in Dormagen) entwickelt und von diesen angefertigt worden.

Wenn Sie diesen Link anklicken, können Sie auch erfahren, unter welchem Stein die Sternenkinder aus welchen Jahren bestattet sind.

Der Mond

Der Mond, in anderen Sprachen eigentlich ein feminines Wort, korrespondiert zutiefst mit dem Meer und verursacht dessen Rhythmus von Flut und Ebbe, den Wechsel von Zunehmen und Abnehmen.

Leben, auch in seiner kosmischen Ordnung, ist von dieser Grundbewegung bestimmt. Es ist Wachsen und Vergehen, Kommen und Gehen, aber nie von gleichbleibender Stagnation. Das Leben ist eingebettet in diese Rhythmen des Kosmos und dieses spiegelt sich auch im Kommen und Gehen der Sternenkinder wider.

Die Welle

Eine jede Welle ist und bleibt Teil des großen Meeres. Für eine begrenzte Zeit erhebt sie sich, erzählt von Kraft und Energie, weiß manchen durchzutragen und mitzunehmen bis sie wieder einsinkt und eins wird mit dem Meer.

Jede Welle ist einzigartig, hat ihre Kurven, ihre Zeit und Krümmung, bricht das Licht auf ihre Weise und ist und bleibt doch mit dem Großen in jedem Augenblick verbunden - so sind die Sternenkinder immer zugleich Kinder dieser Erde wie des Himmels.

Der Stein mit dem Durchblick

Dieser Stein verbindet das Erleben des Verlustes, dessen, was uns steinig, hart und eng erscheint, mit der tiefen Erfahrung, dass sich auch eine solche Situation öffnen kann hin auf eine andere Wirklichkeit.

Es zeigt sich eine Öffnung, ein Durchblicken auf eine andere größere Weite, die das Steinige und Harte aushaltbar und vielleicht auch weicher werden lässt.
Der Stein lässt sich aber auch als rotierender Sternennebel verstehen, als Symbol des großen Kosmos, in dem die Sternenkinder ihren Platz haben.

Die Muschel

Die Muschel ist seit alter Zeit ein Symbol für das Geborgen- und Aufgehobensein an einem geschützten Ort. In der christlichen Tradition ist sie auch ein Symbol für die Auferstehung und die Verwandlung, die Anteilnahme an der großen Wirklichkeit.

Was ursprünglich ein unscheinbares, zufälliges Sandkorn gewesen ist, wird zur Perle und erzählt von einem anderen Licht, einem kostbaren Geheimnis.

Triade von Eltern mit Kind

Dieser Stein thematisiert den menschlichen Aspekt des Ursprungs unseres Daseins. Aus dem gemeinsamen Lebensstrang des Elternpaares bildet sich der kindliche heraus, richtet sich auf, kann aber nicht nach außen dringen. Und doch bleibt dieses Kind im Innern, im Herzen, in der Erinnerung der Eltern gehalten und aufgehoben.

Dieser Stein hat die Form eines Wassertropfens, durch den Himmel und Erde Verbindung finden.

Die Grabsteine erzählen eine Geschichte vom Ursprung des Lebens

Die Anordnung der Steine auf dem Gräberfeld von links nach rechts spiegelt die Entwicklungsgeschichte des Lebens wider - im kosmologischen wie auch individuellen Sinne:

Ausgehend von der kosmischen Ebene (Mond), in deren Rhythmus alles Leben eingebettet ist, werden die weiteren Phasen Meer und Wasser (Welle) sowie die Landwerdung (Stein) als weitere Stufen der Entwicklung des Lebens assoziiert. Mit der Muschel kommt es zur Erinnerung an die erste bergende Erfahrung in der Gebärmutter und den Ursprung allen Lebens aus dem Wasser. Die Reihung endet mit der Dreiheit (Paar mit  Kind), die entsprechend der Situation unvollendet bleibt - die verschiedenen Durchblicke in den Steinen zeigen an, dass auch dieses kurze Leben offen und durchlässig auf die Transzendenz hin ist, was an allen Figuren durch kleine goldene Sterne an den Steinen symbolisiert wird.

... und eine Geschichte von der Trauer

Diese Steine erinnern aber noch an einen anderen Prozess, mit dem Paare in der Situation einer Fehl- oder Totgeburt konfrontiert sind: dem Prozess des Verlustes, der Trauer und dem Ringen um Frieden damit.

Hier steht der Mond für die plötzlich einbrechende Nacht, die Dunkelheit des Verlustes, wenn das gerade noch strahlende Licht matt und fahl geworden ist. Das ganze Leben verdunkelt sich und das verbliebene Licht ist nur noch eine Erinnerung an die Helligkeit des vorherigen Tages -  nach dem anfänglichen Schock mündet die Trauer in die Tränen, wenn sich Schmerz, Entsetzen, Bitterkeit ihren Weg nach Außen suchen. In dieser Phase laufen oft viele emotionale Wellen durch die Seele. Und es ist gut, wenn sich das Unbegreif- und Unfassbare in solchen Wellen lösen kann, auch wenn Ohnmacht und Hilflosigkeit dabei nur mühsam auszuhalten sind.

Manchmal stellt sich dann eine weitere Veränderung ein: das ganze Erleben versteinert, die Unruhe kommt zum Stillstand, alles wird hart und schwer, die Kräfte scheinen wie blockiert. Dies spiegelt sich gelegentlich auch auf der Paarebene wider, wenn es still wird, wenn immer weniger über das Erleben gesprochen wird und jede/r einen eigenen Weg geht. Es kostet dann Kraft, Ausdauer und Beharrlichkeit, diese Stille zu durchbrechen und eine neue Perspektive oder Ahnung über diese Situation hinaus zu entwickeln.

Die Muschel als eine weitere Facette in diesem Prozess versinnbildlicht die Verbundenheit mit dem Kind, die auch über dessen Tod hinausgeht. Diese Verbundenheit bleibt, auch wenn das Kind verabschiedet wird. Sie gibt dem Verlorenen ein anderes Gesicht. Die Ahnung oder Erfahrung, dass das Kind Teil der größeren Wirklichkeit ist und in dieser aufgehoben ist, kann die Annahme und Bewältigung des Verlustes unterstützen und zu einer neuen Ruhe führen. Das Kind wird dabei für immer Teil der Lebensgeschichte der Frau bleiben.

Gewinnt dieses auch auf der Paarebene Gestalt, d.h. kann das verstorbene Kind von beiden Eltern innerlich gehalten und angenommen werden, so kann sich Frieden einstellen als Grundlage für neues lebendiges Leben. Im Herzen und in der Erinnerung der beiden bleibt dieses Kind gegenwärtig und findet das Leben Heilung. Dieses findet im letzten Stein seine Gestalt.

Und was vor dem Friedhof war:
unser Umgang mit Tot- und Fehlgeburten in unserer Klinik

Der Verlust ihres Kindes nach einer Fehl- oder Totgeburt ist für Eltern ein oft mit großem Schmerz und Schock verbundenes Erlebnis.
Noch vor wenigen Jahren wurde eine solche Situation auch in Krankenhäusern totgeschwiegen, verdrängt und das verstorbene Kind wurde möglichst schnell aus den Augen geschafft. Zugleich wurden die Frauen (bzw. Eltern) mit ihrem Schmerz nicht selten allein gelassen. Auch im gesellschaftlichen Leben gab es kaum Möglichkeiten, Raum und Gestalt für die eigene Trauer um dieses Kind zu finden. So ist für manche Frau ihre Fehl- oder Totgeburt eine nie versorgte, unverbundene Wunde geblieben, die ungetröstet und unverstanden das weitere Leben gekennzeichnet hat.

Mosekörbchen

Erst vor 15–20 Jahren begann eine andere Sichtweise in der Gesellschaft Wirkung zu zeigen. Die Kultur in den Krankenhäusern fing an sich zu verändern, sensibler und eingehender auf die tiefe Krise dieser Menschen zu reagieren, weil man erkannt hat, wie wichtig für die Eltern die Möglichkeit eines Abschiednehmens vom Kind ist. Auch hier im Evangelischen Klinikum Köln Weyertal wurde eine Kultur verabredet, die betroffenen Frauen und Männer möglichst angemessen zu begleiten und zu unterstützen.

Es wurden Möglichkeiten und Rituale entwickelt oder übernommen, damit die Eltern auf für sie stimmige und für die Trauerentwicklung gute Weise von ihrem Kind Abschied nehmen können: So kann das Kind oft auch Tage später noch einmal angesehen, berührt, in den Arm genommen werden, wenn es im Moment nach der Geburt zu schwer fallen sollte. Es besteht ebenso die Möglichkeit, dass sich die Eltern darin begleiten lassen oder dass das Kind auch gesegnet wird. Erinnerungen wie ein Fußabdruck können mit nach Hause genommen werden.

Ebenso gibt es durch die Seelsorger hier im Haus das Angebot von psychologischer wie auch spiritueller Begleitung, um dieses Erleben aushalten und bewältigen zu lernen. Manchmal finden diese Gespräche auch erst in den Wochen nach dem Klinikaufenthalt statt, wenn das Paar scheinbar wieder zu Hause ist und doch in der Seele noch kein Alltag zurückgekehrt ist. Und hin und wieder münden sie in eine regelmäßige, sich über längere Zeit erstreckende Beratung.

Wir möchten den betroffenen Eltern durch unsere Perspektive und Angebote Mut machen, sich die jeweils notwendige Zeit und Raum für die Trauer um das verlorene Kind zu nehmen.

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