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Diabetes: Ein dünner Schlauch mit großer Wirkung

Evangelisches Krankenhaus Köln-Weyertal: Endobarrier-Therapie für adipöse Diabetes-Patienten erfolgreich – Einziger Anbieter in Köln

Jacqueline Joukema, Patientin und Dr. Peter Loeff, Leiter des Diabeteszentrums am Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal

Modell Endobarrier: Der dünne Schlauch wird am Übergang vom Magen zum Zwölffingerdarm eingesetzt. Er ist 60 Zentimeter lang.

Jacqueline Joukema strahlt: „50 Kilo! Dass ich so viel abnehmen kann, hat mich total überrascht.“ Mit den purzelnden Pfunden wollte sich die Verkäuferin jedoch nicht fit machen für eine sommerliche Bikini-Figur, sondern ein großes gesundheitliches Problem in den Griff bekommen: ihren Typ 2 Diabetes. Und das hat hervorragend geklappt, wie Dr. med. Peter Loeff bestätigt: „Bei Frau Joukema sehen wir derzeit keinen Diabetes mehr, sie benötigt keine Medikamente gegen Diabetes und ihre Werte sind im Moment traumhaft.“ Um dies zu erreichen, hat der Leiter des Diabeteszentrums am Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal seiner Patientin vor einem Jahr einen dünnen, flexiblen Schlauch unterhalb des Magens eingesetzt und vor wenigen Tagen wieder herausgenommen. Dieser Schlauch ist rund 60 Zentimeter lang und stellt eine Barriere zwischen der aufgenommenen Nahrung und der Darmwand dar. „Endobarrier“ ist deshalb der Name des Implantats. Das EVK Köln-Weyertal ist das einzige Krankenhaus in Köln, das die Endobarrier-Therapie anbietet.

Der dünne Schlauch wird am Übergang vom Magen zum Zwölffingerdarm eingesetzt. Das verhindert, dass Zucker und Fette von der Darmwand aufgenommen werden, der Langzeitblutzuckerwert (auch bekannt als HbA1c-Wert) kann sinken.

Doch am EVK Köln-Weyertal vertraut man nicht nur auf diese Wirkung. Der Patient selbst muss einen wichtigen Beitrag zu seiner Genesung leisten. „Ich habe meine Ernährung umgestellt“, berichtet Jacqueline Joukema. „Ich esse bewusster und gesünder, früher gab’s mehr Pommes, heute dafür mehr Gemüse.“ Und Dr. Peter Loeff ergänzt, dass vor allem fettreiche Nahrung vom Speiseplan verschwinden müsse, wenn die Endobarrier-Therapie erfolgreich sein soll. Seine Patientin Jacqueline Joukema hat sich außerdem angewöhnt, mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt zu sich zu nehmen anstatt einer großen Mahlzeit. Und sie trinkt jetzt viel mehr Wasser als früher.

Damit die Umstellung der Ernährung gut klappt, gibt es am EVK Köln-Weyertal Unterstützung. Schließlich geht es darum, eingeschliffene Gewohnheiten zu ändern. „Man hat ja schließlich 50 Jahre lang die falschen Sachen gegessen“, bringt Jacqueline Joukema die Ausgangslage auf den Punkt. Wie es gesünder geht und immer noch lecker schmeckt, erlernen die Patienten in Kursen, die von der Diabetesberaterin Elke Breet und ihren Kolleginnen durchgeführt werden. „Ich habe mich hier sehr gut aufgehoben gefühlt“, berichtet Jacqueline Joukema.

Am EVK weiß man, wie wichtig die Mitwirkung der Patienten und deren Motivation ist. So bekommen am EVK auch nur jene Patienten einen Endobarrier eingesetzt, deren Disziplin stimmt. Hierzu zählt, dass sie mindestens zwei Wochen lang vor dem Eingriff ein Ernährungstagebuch führen müssen, um einen Überblick zu bekommen, was sie so alles essen und trinken. 

Dr. Peter Loeff nennt weitere Ausschlusskriterien: Wer Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen muss, darf keinen Endobarrier tragen und wer dauerhaft Schmerzmittel wie Ibuprofen nimmt, auch nicht. Bevor der Endobarrier eingebaut wird, führt der Mediziner eine Magenspiegelung durch. Die Gewebeproben werden auf das Bakterium Helicobacter pylori untersucht, das Magengeschwüre auslösen kann. Weil dies während der Tragezeit des Endobarriers nicht passieren sollte, wird in diesem Fall zuvor der Helicobacter mit einer Antibiotika-Kur eliminiert.

Für eine Endobarrier-Therapie kommen Patienten mit Diabetes infrage, die adipös sind und deren HbA1c-Wert bei 7,5 Prozent oder höher liegt.

Ohne Schnitte und Narben gehen der Ein- und der Ausbau des Endobarriers vor sich. Hierzu führt der Arzt über den Mund einen flexiblen Schlauch (Endoskop) bis zur gewünschten Stelle. Der Einbau dauert im Schnitt maximal 20 Minuten, der Ausbau höchstens die Halbzeit eines Fußballspiels, also 45 Minuten. Die Patienten sind derweil in Vollnarkose.

Die Kosten der Endobarrier-Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Diabeteszentrum im Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal
Weyertal 76
50931 Köln
Tel. 0221 / 479 - 22 46
Fax 0221 / 479 - 2614
E-Mail: diabeteszentrum(at)evk-koeln.de

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