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Zusammenhang zwischen Darmentleerungsstörung und Autoimmunerkrankung?

Eine mögliche Ursache für Darmentleerungsstörungen haben nun Chirurginnen und Chirurgen am Evangelischen Klinikum Köln Weyertal gemeinsam mit Neuropathologinnen und Neuropathologen der Uniklinik Köln in einer Studie herausgefunden.

Bei einer Darmentleerungsstörung leiden die Betroffenen meist darunter, dass der Stuhl nicht ausreichend transportiert wird oder nicht normal entleert werden kann. Durch eine verlangsamte Stuhlentleerung kann der Darm mit der Zeit länger werden und es können sich hierdurch Verschlingungen oder Abknickungen bilden. So kommt es zu einer zunehmenden Verschlimmerung der Beschwerden und einem Fortschreiten der Erkrankung. Derzeit ist die einzige Behandlungsmöglichkeit - und dies oft erst nach vielen Jahren mit ausgeprägten Beschwerden - die operative Entfernung der betroffenen Darmabschnitte. 
 
Eine mögliche Ursache für diese Beschwerden haben nun Chirurginnen und Chirurgen am Evangelischen Klinikum Köln Weyertal gemeinsam mit Neuropathologinnen und Neuropathologen der Uniklinik Köln in einer Studie gefunden1.

Eine Autoimmunerkrankung, bei der körpereigene Abwehrzellen Nerven in der Darmwand zerstören, könnte der Auslöser sein. Je länger Betroffene hieran leiden, desto mehr vernarben Nervenzellen in der Darmwand. Und je mehr Nervenzellen hiervon betroffen sind, desto schlechter funktioniert dann die Darmentleerung. 

„Diese neue Erkenntnis ist ein großer Fortschritt. So können wir endlich mehr Darmentleerungsstörungen herausfinden, was für die Betroffenen von großer Bedeutung ist. So bekommt das Kind endlich einen Namen. Nun werden wir nach dem Auslöser der Autoimmunerkrankung forschen, um die Krankheit in Zukunft noch früher diagnostizieren und besser behandeln zu können“, erklärt PD Dr. med. Claudia Rudroff, Chefärztin der Klinik für Allgemein- u. Viszeralchirurgie am EVK Weyertal. 

Zunächst sollen die neu gewonnenen Erkenntnisse in einer Folgestudie bestätigt werden. Über einen Gesamtzeitraum von drei Jahren werden hierzu 100 Menschen untersucht, die sich wegen dieser Beschwerden einer Operation unterziehen müssen. „Überschneidungen zu den Beschwerden eines Reizdarms und anderen diffusen Erkrankungen machen es notwendig, eine gute und sehr genaue Diagnostik zu betreiben. Wir müssen systematisch erheben, wie viele Nervenzellen ein gesunder Darm hat und welche Auffälligkeiten es im Gegensatz dazu bei den Betroffenen einer Darmentleerungsstörung gibt. Wir werden hierfür zahlreiche Parameter vergleichen und aufwendige Verfahren anwenden, mit dem Ziel, dem Auslöser der Krankheit weiter auf den Grund zu gehen“, beschreibt Rudroff die Herausforderungen für die weitere Forschung. 
 
Eine optimale Therapie bei Darmentleerungsstörungen ist noch Zukunftsmusik, ein vielversprechender Anfang ist jetzt gemacht. 

Hier gehts zur entsprechenden Studie

 

Fußnote:

1 Monica Sanchez-RuizAnna BrunnManuel Montesinos-RongenClaudia RudroffMelanie HartmannDirk SchlüterGabriele PfitzerMartina Deckert. Enteric Murine Ganglionitis Induced by Autoimmune CD8 T Cells Mimics Human Gastrointestinal Dysmotility.  Am J Pathol. 2019 Mar;189(3):540-551. PMID: 30593823; DOI: 10.1016/j.ajpath.2018.11.016.